Geburtsvorbereitung

 

Als Mutter und Heilpraktikerin mit fundierter Ausbildung in Akupunktur werde ich oft von werdenden Müttern gefragt, ob ich Geburtsvorbereitung und Geburtsbegleitung anbieten würde. Dazu sage ich im ersten Punkt Jein und im zweiten Punkt Nein. Ab der ersten Wehe gehört eine Gebärende in die Hände einer gutausgebildeten Hebamme und dem Heilpraktiker ist die Geburtsbegleitung verboten. Im Rahmen der Geburtsvorbereitung kann man aber mit der Akupunktur arbeiten und zum Beispiel Übelkeit, Reflux und Muskuloskelettale Schmerzen behandeln.

Mein Beitrag zur Geburtsvorbereitung ist aber eigentlich der folgende:

Die Geburt eines Kindes ist eine der wenn nicht die physischste Erfahrung im Leben einer Frau. Der Uterus einer hochschwangeren Frau ist der größte Muskel im menschlichen Körper. Wenn dieser Motor anspringt, dieser Muskel anfängt zu kontrahieren, dann wird die Frau im besten Fall zur Wölfin, im schlechtesten zum Opfer einer unbändigen Gewalt, während sie daliegt wie ein Seestern.

Zuerst möchte ich meine Dankbarkeit für die Mittel der modernen Medizin aussprechen. Sie hält die Rate von Frauen und Babies, die bei der Geburt versterben, so gering. Geburt ist ein gefährlicher kraftvoller Prozess. Die Gefahr einzuschätzen und den Verlauf zu bewerten, ist die Aufgabe von ÄrztInnen und Hebammen, die das auch zumeist sehr gut tun und vor Schaden schützen.

Was kann Frau tun um aus der Geburtserfahrung eine positive zumachen?

Die Geburt ist eine zutiefst physische Erfahrung daher sollte man sich auch physisch auf diesen Prozess vorbereiten. Es geht darum, Atemtechniken zu lernen, viel Yoga zu praktizieren, Wassergymnastik zu treiben, zu singen und zu tanzen. Bei Yoga denke ich daran, sich unter Anleitung einer erfahrenen Lehrerin eine Yoga Praxis zusammenzustellen, die man 4-5 Tage pro Woche durchführt. Wenn die Gebärende Rücken- oder Gelenksschmerzen hat, oder ein Reiben/ Schmerzen im Becken verspürt, ist es Zeit, 2 Tage pro Woche zur Wassergymnastik zu gehen und Muskulatur und Bänder zu stärken. Man sollte sich auch bei jedem Straßenfest oder zuhause erlauben zu tanzen und das zutiefst physische und schöne Körpergefühl das Schwangere oft haben, zu feiern. Man ist in der Zeit der Schwangerschaft so in sich und mit sich verbunden, das muss man doch ausnutzen.

Ausserdem lohnt es sich, Kurse zu besuchen um Atemtechniken und Positionen zu lernen, die sich für verschiedene Stadien der Geburt eignen. Umso mehr Optionen die werdende Mutter im Kopf hat, umso besser kann sie diese intuitiv, während ihr alles um die Ohren fliegt, abrufen und anwenden.

Während der Wehen hilft es sich an Orte und in Positionen zu bringen, in denen man sich gut mit dem „Schmerz“ treffen kann. Diesen Schmerz zu treffen, auszuhalten und ein bisschen mitzuführen ist eine wahnsinnige Erfahrung. Es bietet sich an, im Stehen oder auf allen Vieren, die Hüfte und den Bauch kreisen zu lassen, vor und zurück zu wiegen. Man kann sich festhalten an Stühlen, dem Sofa, an der Badewanne, einer Sprossenwand, einem großen Ball. Manche Frauen hocken auch gern. Es gibt Atemtechniken, die Wehen härter erscheinen lassen oder verstärken, es gibt Atemtechniken bzw. Positionen, die das Austreiben des Kindes verlangsamen (runter auf alle Vieren und auf die Unterarme und flach und schnell ausatmen) oder beschleunigen. Das Bedürfnis an einem bestimmten Ort, mit bestimmten Menschen, in bestimmten Positionen und mit mehr oder weniger Körperkontakt zu sein, wechselt mehrfach während des Geburtsprozesses.

Und was tut Mann?

Wenn der Partner nach dem ersten Geburtsvorbereitungskurs sagt: Ich hab es gehört und weiss Bescheid, dann ist das ok. Das gilt aber nicht für die Frau. In traditionellen Kulturen ist die Geburt eines Kindes ein Prozess, der von weisen Frauen, anderen Müttern und Schwestern begleitet und geführt wird. Der moderne Mann in der westlichen Gesellschaft ist der einzige, der während der Geburt eine Rolle spielt. In Kursen wird ihm beigebracht, die Frau zu streicheln, zu beruhigen, ihr Kraft zu geben. Das ist schön und gut, und die Paare, die diese Erfahrung als Team angehen wollen, sollen das so tun. Man bedenke aber, der Uterus (größter Muskel im menschlichen Körper) ist im Körper der Frau. Es ist ihre Aufgabe, Chance und Erlebnis, diesen Motor zu (er-)fahren und sich vorzubereiten.

Ich glaube, dass werdende Mütter durch viel physische Vorbereitung ein besonderes Körpergefühl entwickeln und die Verbindung zu ihrem Körper während der Schwangerschaft besser auskosten können. Vielleicht hat man dadurch auch die Chance erhöht, eine bewusstere Geburt zu erleben. Die intensive physische Vorbereitung hat – solange es keine medizinischen Kontraindikationen gibt – keine Nachteile. Und wenn man dann doch nach X Stunden merkt „Ich will eine PDA!!!“ dann ist das auch gut. Gut, dass es diese Option gibt.

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