Präventionsmaßnahmen aus den Chinesischen Klassikern

In der Chinesischen Medizin ist die Prävention von bzw. die schnelle Abwehr von akuten Erkrankungen der heilige Gral. Chronische Krankheiten in Patienten sind ganz schlechte Presse für den behandelnden TCM-Arzt. Früher war es sogar üblich, dass Patienten ihren Arzt für Phasen der Gesundheit bezahlten und die Zahlungen einstellten, sobald Krankheit eintrat. Nur ein gesunder Patient war also ein guter und zahlender Patient. Die Prävention von Erkrankungen wurde dementsprechend groß geschrieben und kommt reichlich in den bis zu 3000 Jahren alten Texten vor. Mein persönliches Best-Of dieser Maßnahmen stelle ich hier in kleinen Ausschnitten vor.

Die Leser müssen hierbei aber bedenken: Die Methodologie der Chinesischen Medizin ist über 3000 Jahre alt. Die Konzepte von Krankheit und Gesundheit sind anders beschrieben und wenn in den Zitaten Herz, Niere, Lunge oder Magen/Milz beschrieben sind, so ist es wichtig zu wissen, dass hier nicht die biomedizinischen Organe gemeint sind, sondern Funktionskreise. Die Chinesische Medizin ist ein Konzept, dass für uns Menschen aus dem Westen ausgesprochen fremd wirkt, aber in sich stimmig ist und funktioniert.

 

Im ersten Zitat geht es um eines der Grundprinzipien der Chinesischen Medizin: Man behandle immer die originäre Ursache der Erkrankung und verwende möglichst wenig Symptom-Management:

Von Li Zhongzi, ein Primer medizinischer Ziele (Yizong Bidu), 1637:

Wann immer wir eine Krankheit behandeln, müssen wir sie an der Basis angehen. Basis bedeutet hier Wurzel oder Quelle. Jeder Strom auf der Erde hat eine Quelle, und jede Pflanze hat eine Wurzel. Wenn sich alle düsteren Sedimente bereits an der Quelle ablagern, so wird das stromabwärts gelegene Wasser natürlich klar und frisch sein, und wenn wir eine Wurzel wässern, wird sie wachsen und Zweige werden sprießen; das sind die Gesetze der Natur. Der erfahrene Arzt wird daher immer die Quelle berücksichtigen.

 

Alle ostasiatischen Medizinsysteme sind gegen ein Zuviel von Sex. Männer müssen sich in diesen Medizin Systemen mäßigen und in Zeiten von Krankheit gänzlich aussetzen. Ein zu häufiges Ejakulieren schwächt, erzeugt Rückenschmerz, Tinnitus und destabilisiert den Nierenfunktionskreis. Wieviel ist zuviel? Das ist alters- und konstitutionsabhängig.

Von Zhang Huang, ein Kompendium illustrierter Texte (Tushu Bian), Ming-Dynastie:

Alles zwischen Himmel und Erde, das aus Qi und Blut hergestellt ist, hat das Bedürfnis, sich zu paaren. Sobald Feuer und Wasser sich trennen und Verlangen eine Übereinstimmung findet, verlässt die Essenz die Quelle, und was den Körper erschafft, wird zu dem, was den Körper tötet. Wenn du ein Schüler des Buches der Veränderung (Yijing) bist und deine Wünsche mit dem hohen Hexagramm 41 [Opfern, Verringern] in Einklang bringst, dann ist das so, als ob du dich in einem Moment über Überschwemmungen Sorgen machst. „opfere“ immer wieder und benutze dich so lange, bis nichts mehr übrig ist. Deshalb, wenn Sie Ihre Quelle der Langlebigkeit schützen wollen, gibt es keinen besseren Weg, als sich vor sexuellen Wünschen zu schützen.

 

Die Emotionen, und vor allem überschießende und aus der Kontrolle geratenen Gefühle, erzeugen in der Systematik der Chinesischen Medizin Krankheit. Wut ist dabei die Emotion, die den Leberfunktionskreis empfindlich stört. Trauer, Schock, Angst, Sorge, Grübelei und andauernde Überdrehtheit sind die anderen Faktoren, die zu Dekompensation führen können.

Von Zhang Huang, ein Kompendium illustrierter Texte (Tushu Bian), Ming-Dynastie:

Die Leber ist mit Holz assoziiert. Es speichert das Blut und ist die Heimat des Hun Spirits. Unter den sieben menschlichen Emotionen ist nur Zorn von intensiver Natur. Es trocknet das Blut aus und zerstreut Hun. Die Person, die den Weg versteht, die Leber zu nähren, vermeidet daher Wut und verfällt nie in Wutanfälle.

Von Yu Bian, Medizinische Lehre fortgesetzt (Xu Yishuo), 1522:

Der saisonale Transformationszyklus [gemeint ist Frühling] beginnt mit der Holzphase. Im Körper wird daher der Prozess des Keimens und Nährens in den zwölf Meridianen von der Leber initiiert. (…) Die Leber markiert daher den Beginn der zyklischen Wirkung, das Erregen des Frühling-Yangs, auf das alle Lebewesen als Katalysator für ihr Wachstum angewiesen sind. Indem du Wutausbrüche vermeidest und diese spezielle Art von Yang-Energie pflegst, wird dein pränatales Qi weiter wachsen [prenatales Qi= Qi mit dem du geboren wurdest. Es gibt auch postnatales Qi. Es wird wachsen anstatt nur erhalten zu bleiben.]. Die Leber ist auch für die Farbe verantwortlich; Wenn ihr Qi in Harmonie ist, wird der Körper [gemeint sind Haut, Haare, Nägel] einen gesunden Glanz zeigen. Wenn ihr Qi verletzt ist, erscheinen Haut, Haare und Nägel trocken und spröde. Die Leber zu ernähren heißt also vor allem, auf Ärger zu verzichten. Das ist der Schlüssel für die Erhaltung der Gesundheit.

 

Um deinen Herzfunktionskreis zu pflegen, ist es existentiell wichtig, deinen Geist nicht zu überreizen:

Von Li Yuhengs, Das Entfalten der Matte mit erleuchtenden Worten (Tuipeng Wuyu), Ming-Dynastie, 1570:

Das alte Buch der Definitionen [Neijing] bezieht sich auf das Herz als Herrscher des menschlichen Körpers, den Sitz des Bewusstseins und der Intelligenz. Wenn wir uns entscheiden, dieses entscheidende Element in unserer täglichen Praxis zu nähren, dann wird unser Leben lang, gesund und sicher sein. Wenn die Sicht des Herrschers jedoch abgelenkt und unklar wird, wird der Weg verstopft und es entsteht ein schwerer Schaden für den materiellen Körper. Wenn wir Leben führen, die sich auf ablenkende Gedanken und Aktivitäten konzentrieren, werden schädliche Konsequenzen folgen.

Der Weise betrachtet seinen Körper wie ein Land: Das Herz ist der Herrscher, und das Jing und das Qi sind die Bürger. Wenn das Herz seine überlegene Position nicht missbraucht, wenn es zentriert bleibt und sich auf die wesentlichen Dinge konzentriert, wird das Jing gedeihen und das Qi wird beständig sein, schädliche Eindringlinge werden immer bekämpft, der Dantian wird voll mit Schätzen sein, und jeder Ein Teil der Körperlandschaft wird leicht und am Stück sein.

Moderne Ernährungsmedizin fragt immer was du isst. Chinesische Medizin fragt: Wann isst du? Wo isst du? Wie schnell isst du? Wie regelmäßig isst du? In welchem emotionalen Zustand isst du? Isst du den Jahreszeiten angepasst (keine kalten Salate im Winter zum Beispiel – da kommt wieder mein westliches „was wird gegessen durch..“) Das „was“ kommt bei den Chinesen auch, aber erst ganz zum Schluss.

Aus Li Dongyuan, Eine Abhandlung über die Milz und den Magen (Piwei Lun), 1249:

Wenn wir dann unser tägliches Leben regulieren, indem wir sie an die vorherrschende Energie der Jahreszeiten anpassen, wenn wir extreme Kälte und extreme Hitze vermeiden, wenn wir in regelmäßigen Abständen essen und trinken, wenn wir unsere Shen schützen, indem wir Zustände extremer Wut vermeiden oder extreme Ekstase, und wenn wir in allen vier Jahreszeiten mäßig leben, wird Frieden herrschen. Andernfalls werden die Milz und der Magen Schaden erleiden, und unser wahres Qi wird in Tröpfchen oder Strömungen (d. H. Durchfall) nach unten entweichen, mit der Möglichkeit, nicht wieder aufzusteigen.

 

Atme, atme, atme und tue dies so oft du kannst bewusst.

Von Yang Jizhou, dem großen Kompendium der Akupunktur und Moxibustion (Zhenjiu Dacheng), 1590. Dieser Absatz erscheint in dem Kapitel über den Lungen Meridian und ist als Zitat aus einer älteren Daoistischen Quelle, dem ursprünglichen Klassiker der Führung des Atems (Daoyin Benjing):

Die Lunge ist der Deckel der fünf Organnetzwerke. Es produziert die Stimme und sorgt für die richtige Befeuchtung der Haut. Sobald innere Schäden durch die sieben schädlichen Emotionen oder äußere Verletzungen durch die sechs klimatischen Einflüsse entstehen, werden der rhythmische Prozess des Ein- und Ausatmens und der allgemeine Qi-Fluss zwischen Innen und Außen gestört; das Lungenmetall verliert dann seine klare Qualität. Wenn wir die Reinheit im Metall wiederherstellen wollen, müssen wir zuerst versuchen, den Atem zu regulieren. Sobald der Atem reguliert ist, wird keine erratische Bewegung mehr stattfinden und das Herzfeuer wird sich von selbst beruhigen. Der Prozess ist wie folgt: Zuerst müssen wir uns auf den Dantian konzentrieren, das wird das Herz beruhigen; dann müssen wir uns entspannen und das Zentrum unseres Torsos verbreitern; und schließlich müssen wir uns vorstellen, dass das Qi frei durch jede einzelne Pore unseres Körpers kommt und geht. Bald wird es keine Behinderung mehr geben, und wenn wir uns fleißig genug konzentrieren, wird unser eigentlicher Atem sehr fein und subtil werden. Das kann dann der wahre Atem genannt werden [wie er während der Meditation erreicht wird].

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